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Fachexkursion der 9. Klassen in die KZ-Gedenkstätte Dachau

 

Montag, 9.2.2026

Nach einer zügigen Anfahrt über Stuttgart und Ulm kamen wir gegen 11.00 h am Jugendgästehaus des Max-Mannheimer-Studienzentrums in Dachau an. Es folgte eine kurze Einweisung in die Hausregeln und die Verteilung der Zimmer und bis 12.00 h hatten die Schülerinnen und Schüler dann Zeit, im großzügigen Aufenthaltsraum die verschiedenen Spielmöglichkeiten (Tischkicker, Tischtennis, Billard) auszuprobieren. Dann gab es als ersten Programmpunkt ein reichhaltiges Mittagessen, bevor es um 13.00 h zur Gruppeneinteilung ging. Die beiden Klassen verteilten sich auf eine Seminarleiterin (Stephanie) und zwei Seminarleiter (Immanuel, Martin), jede Gruppe arbeitete individuell am Seminarprogramm. Als Workshops wurden „Lebenswege von KZ-Häftlingen“ und „Alltag im KZ“ bearbeitet. Zur pädagogischen Konzeption des Max-Mannheimer-Studienzentrums gehört, dass die begleitenden Lehrkräfte in den Workshops nicht dabei sind, damit sich Jugendliche gänzlich frei äußern können, ohne sich von LehrerInnen beobachtet zu fühlen. Dachau 2026 Tür
Die begleitenden Lehrkräfte nutzten die Zeit, um sich in der KZ-Gedenkstätte ausführlich die dortige Ausstellung anzusehen.

Nach dem Ende der Workshops um 17.30 h wurden die Zimmerschlüssel ausgegeben und dann gab es auch schon Abendessen, wieder sehr vielfältig und gut.
Um 19.00 h kamen alle nochmal zusammen und ließen den ersten Tag kurz Revue passieren. 

Einige Stimmen von Schülerinnen und Schülern aus den Workshops und zur Unterkunft:

* „Wir haben uns zum Auftakt mit den verschiedenen „Winkeln“ beschäftigt, die die KZ-Häftlinge zur Kennzeichnung tragen mussten. Menschen wurden in Kategorien eingeteilt. Es gab Winkel in verschiedenen Farben für die verschiedenen „Vergehen“, so z.B. grüne Winkel für politische Häftlinge, rosa Winkel für Homosexuelle“.

* „Es gab eine Einführung in das KZ-Lagersystem und wir haben den Unterschied zwischen Arbeitslager und Vernichtungslager thematisiert.“

* „Wir durften alle Fragen stellen und sie wurden ernsthaft beantwortet: z.B. ob sich in der heutigen Zeit die Türen der Gaskammern immer noch schließen können, z.B. währendder Besichtigung, was die Workshopleiterin ganz klar verneinte.“

* „Die Workshopleiterin macht ihren Job echt gut, sie kann gut erzählen und weiß gut über die Sachen Bescheid.“

* „Wir gingen zwischendurch schon zur KZ-Gedenkstätte und standen auf dem großen Appellplatz.“

* „Das Essen ist echt gut, viel besser als im Schullandheim.“

* „Die Atmosphäre war sehr offen, es war ein tolles Ambiente, man konnte alle Fragen stellen.“

* „Uns wurde ein Film über Dachau der 1950er Jahre gezeigt, als deutsche Vertriebene in den Baracken des Lagers untergekommen sind. Das war sehr bewegend.“

* „Ich fand´s krass, dass man nach dem Krieg Fotos und Postkarten von Dachau als Souvenir verkauft hat, auf denen Häftlinge zu sehen waren.“

Dienstag, 10.2.2026

Nach dem Wecken und dem abwechslungsreichen Frühstück begann der zweite Tag des Seminars. Die drei Gruppen trafen sich mit ihren Seminarleitern im Jugendgästehaus und starteten zur umfangreichen Geländebegehung.

Dachau 2026 HäftlingsbarackenDer menschenverachtende Sadismus war auch Thema in den Häftlingsbaracken, von denen man zwei in den 1960er Jahren wieder aufgebaut hat. Die Menschen wurden zum Schlafen in dreistöckigen Bettgestellen zusammengepfercht und schliefen dort auf Strohsäcken, die am Tag beim sog. „Bettenbauen“ akkurat gefaltet werden mussten. Das Bettenbauen dauerte eine Stunde und wenn die SS-Männer schlechte Laune hatten, so wurde das gebaute Bett einfach herausgerissen und musste neu gefaltet werden. Über die zwölf Jahre des KZ-Betriebs wurden die Strohsäcke nicht gewechselt, sodass sie mit sämtlichen Körperflüssigkeiten getränkt und ein Hort für Läuse waren. Infektionskrankheiten waren eine häufige Todesursache. Menschenverachtung auch beim Bodenputzen: Dreimal pro Tag musste der Barackenboden auf Hochglanz poliert werden. Häftlinge, die an Öl oder Fett kamen, behielten dies oft nicht für sich, sondern setzten es lieber zum Polieren ein, um die SS gnädig zu stimmen. Die hygienischen Umstände in den Baracken waren verheerend.

Überhaupt ist die Geschichte der KZ-Gedenkstätte Dachau selbst sehr interessant und aussagekräftig in Bezug auf die Erinnerungskultur: Bis in die späten 1960er Jahre wohnten Vertriebene in den ehemaligen Häftlingsbaracken, die dann als „Wohngebiet Dachau-Ost“ bezeichnet wurden. Es gab dort einen Laden, ein Kino und auch ein Restaurant, das „Zum Krematorium“ hieß. Ungläubiges, entsetztes, sprachloses Staunen war unsere Reaktion, als wir diesen Namen hörten. Insgesamt zeigte die ausführliche, aber auch anstrengende Begehung des Geländes eindrucksvoll, was die Zerstörung der Demokratie und das Errichten der NS-Diktatur konkret bedeutete. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler Reichskanzler und sieben Wochen später wurde das KZ Dachau in Betrieb genommen.

Ein paar Stimmen vom Tag:

* „Es war anstrengend, wir sind viel gelaufen. Der eindrücklichste Moment war die Besichtigung der Gaskammer. Der Weg der Menschen dort war wie in einer Fabrik, wie bei einem Laufband. Das war sehr berührend. Der Guide hat uns viel erzählt, es wurde alles sehr ausführlich beantwortet. Es war gut, dass wir so viel Zeit hatten an dem Tag. Die Ausstellung im Wirtschaftsgebäude ist ebenfalls sehr informativ.“

* „Eine Mittagspause dazwischen war sehr gut!“

* „Man konnte sich in den Baracken den Alltag der Häftlinge sehr gut vorstellen, es war ein guter Tag, wir haben viel mitgenommen.“Dachau 2026 Zeitzeuge

Mittwoch, 11.2.2026

Heute erwartete uns der Höhepunkt der Fachexkursion: Das Zeitzeugen-Gespräch mit Abba Naor. Nach einer kurzen Vorbereitung durch die drei Seminarleitungen eröffnete Herr Naor das Gespräch mit der Frage an die Jugendlichen: „Wollt ihr wirklich zuhören? Seid ihr bereit? Denn was ich erzähle, ist nicht einfach, aber leider habe ich keine andere Erzählung und was ich erlebt habe, ist nicht schön.“ Dann begann Herr Naor mit den Erinnerungen an seine Kindheit in den Wiesen und Wäldern Litauens und einem historischen Exkurs über die Ansiedlung der Juden in Litauen. Religion war nicht wichtig, die Familie fühlte sich als litauisch und Herrn Naors Vater kämpfte im Ersten Weltkrieg für Litauen. Eindrücklich erzählte Herr Naor von der zunehmenden Feindseligkeit der Litauer gegen die Juden und spätestens mit Kriegsbeginn und der Besatzung Litauens durch die Deutschen sah sich die Familie zuerst der Ausgrenzung, dann der Verfolgung ausgesetzt. Bewegend ist die Szene, in der Herr Naor schildert, wie er das letzte Mal seinen Kakao in der Wohnung der Familie trank, die er nie wieder sehen sollte.

Immer wieder sprach Herr Naor die Schülerinnen und Schüler direkt an und stellte Bezüge zur Gegenwart her. Seine Botschaft wurde an vielen Stellen deutlich, etwa als er sagte: „Ich will nur hoffen, dass die Welt gelernt hat, denn was geschah, kann nochmal geschehen.“ Die disziplinierte, respektvolle Stille, die während des Gesprächs herrschte, entlud sich in einem großen Applaus für Herrn Naor, der sich auch noch bereit erklärte, ein Gruppenfoto mit sich machen zu lassen und seine Memoiren zu signieren. Nach einem kurzen Mittagessen folgte die Nachbereitung des Gespräches mit den Guides und auch ihnen wurde ein kleines Präsent als Dank überreicht.

Nach diesen eindrücklichen Tagen folgte die Heimfahrt. Die Fachexkursion wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben.

Jens Breitschwerdt (Text und Fotos; eines der Fotos: N.N.)

Der ungekürzte und mit weiteren Fotos versehene Beitrag ist zu finden unter https://www.thg-heilbronn.de/index.php/aktivitaeten/fachexkursionen/politik-und-geschichts-exkursionen

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