Exakt 50 Musikerinnen und Musiker reisten bei Winterkälte nach Murrhardt, in das Zentrum des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald, um in der dortigen Jugendherberge zweieinhalb Tage lang intensiv zu proben: 17 Streicher, 19 Holzbläser, 11 Blechbläser und 3 Schlagwerker. Die Letztgenannten hatten nicht nur Pauken und große Trommel dabei, sondern auch ein erst kürzlich erstandenes chromatisches Glockenspiel, dessen klaviaturartig angeordnete Metallplättchen ab sofort das musikalische Spektrum des Orchesters um eine weitere Klangfarbe bereichern.
Worum ging es? Um Arbeit: Die Streicher erarbeiteten mit Karl Jenkins‘ Palladio ein für sie neues Werk, die Bläser probten den ersten Satz des Konzerts für Posaune und Blasorchester von Rimski-Korsakow, und das Gesamtorchester trat – nach getrennten Stimmproben – zusammen, um sich mit John Williams‘ berühmter Filmmusik zu „Star Wars“ auseinanderzusetzen. Dabei genügte es nicht, die Noten korrekt zu spielen, sondern wir feilten an der Rhythmik, an der Spieltechnik, an der Dynamik – vom Pianissimo einer zarten Melodie bis hin zum Fortissimo-Schlag –, an der Intonation, indem wir z.B. Akkorde behutsam Ton für Ton schichteten, und insbesondere an der Gestaltung des Ausdrucks.
Ja, es war Arbeit, zuweilen harte Arbeit, deren Ergebnis aber von Halbtag zu Halbtag mehr beglückte: Die Orchestermitglieder hörten mit der Zeit besser aufeinander, entwickelten ein besonderes Gespür fürs Zusammenspiel (Orchesterjargon: „zusammener“), sie übernahmen die musikalischen Gedanken anderer Stimmen, gaben sie weiter oder setzten etwas markant dagegen – sie nahmen teil an einem musikalischen Gespräch.
Miteinander gesprochen haben wir auch in nicht musikalischer Form: in allen Pausen, bei den regelmäßigen Mahlzeiten und beim ausgiebigen Spielen. Besonders beliebt waren Tischtennis, das traditionelle Abiturienten-Quiz, Basketball, Set, Skat, „Alle, die …“ und Werwolf. Und dass zwei Mittelstüfler den Schulleiter bei den Zubettgeh-Zeiten über den Tisch gezogen haben, gehörte auch dazu.
Wir alle danken unserem ehemaligen Abiturienten Lasse Silcher, Bratscher und inzwischen Lehramtsstudent der Fächer Mathematik und Geschichte, sehr dafür, dass er mitgewirkt, uns begleitet und tatkräftig unterstützt hat, und insbesondere Maria Sunten, der Musiklehrerin, Dirigentin, Organisatorin und guten Seele unseres Orchesters, die uns mit liebevoller Strenge anleitete, die im Anspruch nicht nachließ und gleichzeitig gelassen und nachsichtig blieb, wenn’s geboten war: DANKE!
Auf dem Rückweg am frühen Nachmittag eines schulfreien Samstags wärmte uns die Vorfrühlings-Sonne, wie passend!
Frank Martin Beck (Text), N.N. (Foto)
